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    Zirkus in Berlin

    Berlin gilt bekanntlich in der Zirkusgeschichte als die deutsche Zirkusstadt, die im 19. und bis in die 20er Jahre des 20. Jh. weltweite Bedeutung für die Zirkuskunst hatte, entstanden und

    spielten doch in den festen Zirkusbauten Unternehmen wie Renz, Schumann, Paul und Paula Busch. Das hat sich leider in der Gegenwart völlig gewandelt, jetzt meiden die Großzirkusse – mit Ausnahme von Busch-Roland – die Stadt Berlin. Bedingt ist das vor allem durch das Fehlen eines geeigneten Zirkusplatzes. Der im Jahre 2000 eröffnete Zentrale Festplatz liegt verkehrsmäßig derart ungünstig, dass sich ein Berlin-Gastspiel für einen Großzirkus kaum noch rechnet, und so wurde Berlin inzwischen zum Tummelplatz für Familienzirkusse. Einige Unternehmen, vor allem von der Großfamilie Spindler, spielen oft mehrere Monate in den verschiedenen Bezirken, so Aramannt, Holiday, Kunterbunt, hinzu kommen ähnliche Unternehmen wie Rogall oder Mondeo. Sie bieten fast ausnahmslos Programme, die von der eigenen Familie gestaltet werden und zum Teil – wie beispielsweise Kunterbunt – nur äußerst bescheidene Leistungen zeigen.

    Der „Einzige Zwei-Manegen-Zirkus Berolina“ (Bernhard Spindler), der den Namen aus der Nachlassmasse des Staatszirkus der DDR erworben hat und der einige Wochen in Spandau gastierte, hebt sich gegenüber den Unternehmen seiner Verwandten durch zahlreiche, große Tierdressuren ab, so durch eine riesige Kamelherde, Elefanten und große Pferdefreiheiten.

    Vom 29.9. bis 22.10. folgte dann der Zirkus Barelli (Ramona Spindler), der das Wagnis einging, auf dem neuen Festplatz zu gastieren und erwartungsgemäß über Besuchermangel klagte. Angekündigt wurde das Gastspiel als das des „zweitgrößten Zirkus Deutschlands“ – nach welchen Kriterien sich derartige vollmundige Ankündigungen richten, bleibt allerdings offen: der Größe des Chapiteaus, der Zahl der Wagen, der Tiere, der Mitarbeiter, der Qualität des Programms? Letzteres, unter dem Titel „Der Magische Baum“, hob sich durchaus von anderen Familienzirkussen ab: Für den Besucher beeindruckend die Größe und die Ausgestaltung des großen Kuppel-Chapiteaus, die Idee des „Magischen Baums“ war allerdings nicht nachvollziehbar, erkennbar dagegen das Bemühen um die Programmgestaltung mit einem sehr gut musizierenden Orchester, Tänzerinnen und Gesang. Der akrobatische Teil des Programms wurde durch die spanische Truppe Tonito bestritten, sie arbeiteten am Flugtrapez mit allerdings kaum spektakulären Flügen; das gleiche gilt für ihre Trampolinsprünge.

    Ausgezeichnet dagegen der ebenfalls aus dieser Truppe kommende Salvis mit Äquilibristik auf dem Tanzseil mit dem selten gezeigten Vorwärtssalto.

    Abgerundet wurde die Akrobatik durch eine Antipodendarbietung und eine sehr schwache Strapatenarbeit im „Glöckner-von-Notre-Dame-Look“.

    Auftakt des Programms war die Raubtierdressur von Jacek Mikulski mit fünf Tigern und einem Löwen, u.a. mit Liegen, Pyramide und Sprüngen. Erfreulich wie immer die Folcos mit ihren drei indischen Elefanten, die perfekt arbeiten. Den 8-er Zug gut laufender Friesen stellte Direktor Harry Spindler selbst vor, den Exotenzug Willy Lauenburger, und ein Groß und Klein Franz Spindler. Durch das Programm führte mit clownesken Reprisen Timmy Spindler.

    Die langatmige Ansprache Harry Spindlers vor der Pause war überzogen und zerstörte den

    Eindruck des ersten Teils. Nicht unbescheiden die Preise: Tierschau 10.- DM, ein Kaffee in der Plastetasse 5.- DM! Ein „entlaufender“ Elefant, der durch Berlin spazierte und Presserummel machte, dürfte wohl ein Werbegag gewesen sein.

    Da Potsdam nicht allzu weit von Berlin entfernt liegt, darf auf das Sarrasani-Gastspiel im September hingewiesen werden, das durch die Mitwirkung von Oleg Popow auf sich aufmerksam machte. Die polnische Truppe Ocelot, die den akrobatischen Programmteil bestritt, konnte zwar einige recht gute Darbietungen aufweisen, hatte aber ihr Problem damit, zu viele verschiedene Genres zu vertreten und wurde durch die immer gleichen Kostüme und

    zum Teil recht langen Choreographien á la Cirque du Soleil ein wenig ermüdend. Natürlich im Programm auch André Sarrasani mit verschiedenen Illusionen.

    Nachdem durch die Schließung der Deutschlandhalle die jahrzehntelange Tradition der Weihnachtszirkusshow „Menschen – Tiere – Sensationen“ unterbrochen wurde, steht eine neue Hallenshow „Zirkuswelten 2001“ in der Radsporthalle Velodrom bevor, die vom 20. bis 31.12. 2001 zu sehen sein wird. Die Show, produziert von der „Barum & Bauer Performance GmbH“ und in der Regie von Rebecca Simoneit-Barum, die gleichzeitig moderiert, ist hochkarätig besetzt, u.a. mit der Reitertruppe Kantemirow, den Mastakrobaten Bauer Sailors und der Tigerdressur von Rüdiger Probst.

    Dem Vernehmen nach werden auch der Zirkus Berolina und der schon seit mehreren Jahren regelmäßig am Olympiastadion gastierende Zirkus Voyage zur Weihnachtszeit in Berlin zu erleben sein. 

    Redaktion: Dietmar Winkler

    2001-12-15 | Nr. 33 | Weitere Artikel von: Dietmar Winkler





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