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    Kabaret Kalashnikov - Die Company und ihre Shows

    Yann Manske alias Djuggledy und Andy Parkin alias Andy Snatch sind seit vielen Jahren als Akteure im Straßentheater weltweit unterwegs. Gleichzeitig sind sie bereits 15 Jahre lang die Macher des Kabaret Kalashnikov. Dieses Jubiläum ist ein willkommener Anlass für Hannes Moser |Trottoir-online, Näheres zu ihrer Company und ihren Shows in Erfahrung zu bringen.

    B_hnenbild_Taverna_Stories_


    Trottoir-online: Lieber Yann, lieber Andy, was verbirgt sich hinter dem Namen Kabaret Kalashnikov“?

    Andy: Das ist eigentlich nicht zu beschreiben, dass muss man einfach erleben. Unsere Shows sind eine so wilde Mischung, dass wir in gar keine Schublade passen.


    Trottoir-online:
    Das schreibt Ihr ja auch in Eurer Selbstbeschreibung: „Eine turbulente Show, die alle Genregrenzen sprengt.“ Aber ein bisschen mehr möchten wir doch erfahren!

    Yann: Vielleicht fange ich mit den Haupt-Zutaten unserer Shows an. Tolle Artistik, viel Musik und schräger, manchmal absurder Humor. Das Ganze verbinden wir zu einer durchgehend erzählten Geschichte, die irgendwo in einem imaginierten Osten spielt, und geben so viel Energie und Tempo dazu, dass wir das Publikum einfach überwältigen. Das soll auch unser Name ausdrücken. Dann sind die Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne klar definierte Typen mit passenden Kostümen, und das Ganze betten wir in ein stimmiges Bühnenbild ein. Wir haben damit unseren ganz eigenen Stil geschaffen, irgendwo zwischen Varieté, Zirkus, Straßen- und Volkstheater.

    Artistik_Credit_Uwe_Heinric

    Auf alle Fälle ist es kein 08/15-Varieté-Nummernprogramm. Kannst Du damit etwas anfangen?


    Trottoir-online:
    Ja, da entsteht ein Bild vor meinem inneren Auge. Aber noch eine Frage zu Eurem Namen: Ich kann mir vorstellen, dass er beim Verkauf der Shows nicht geholfen hat, als 2022 der Überfall auf die Ukraine stattfand.

    Yann: Das stimmt, und wir haben kurzzeitig überlegt, ihn zu ändern. Aber dann haben wir uns dagegen entschieden: Uns gibt es unter diesem Namen seit 2010. Zuerst haben wir die Shows in einem Berliner Technoclub auf die Bühne gebracht, einfach weil wir und der Club darauf Lust hatten. Dies ist unser Herzensprojekt, das wir in erster Linie für uns selbst gemacht haben. Wir haben nie danach geschielt, was sich am besten verkaufen würde oder so, es ging nie darum, jedem und jeder zu gefallen.

    Das kam beim Berliner Club-Publikum so gut an, dass wir ab 2018 angefangen haben, als eigener Veranstalter auch an anderen Orten in Berlin aufzutreten. Ganz schnell kamen dann Buchungen jenseits der Stadtgrenze dazu, schon 2019 hat uns ein internationales Theaterfestival in Finnland eingeladen.

    Andy: Bis heute bleiben wir uns und unserem Stil treu und sind immer wieder überrascht, dass wir auch 60zig-Jährige in kleineren Städten mitreißen, ohne das junge und städtische Publikum zu verlieren. Egal, ob wir im Stadttheater, beim Straßenfestival oder im traditionellen Varieté spielen: Hinterher bedanken sich immer wieder Leute für diese echte Leidenschaft, die wir versprühen. Irgendwie treffen wir den Nerv der Zuschauer, da springt anscheinend ein Funke über.

    Yann: Das wird am deutlichsten, wenn unmittelbar nach Showende unser DJ auflegt. Das Publikum tanzt sofort los und hört auch nicht so schnell auf.


    Trottoir-online:
    Euch gibt es seit 15 Jahren. Sieht man in Euren Shows immer die selben Künstler auf der Bühne oder wechselt der Cast jedes Mal komplett?

    Yann: Weder noch. Es gibt einen harten Kern, der praktisch in jeder Show dabei ist. Das sind neben Andy und mir Rocit (Bild), ein Urgestein der Straßentheater-Szene, und Merlin, ein gefragter Varieté-Conférencier. Andy und ich spielen meist die selben Typen, die in jeder weiteren Show ein neues Abenteuer erleben. Ungefähr so wie bei einer Comic-Serie. Je nach Geschichte laden wir dann die passenden weiteren Darstellerinnen ein – hauptsächlich Frauen, denn mit uns sind ja schon genug Männer dabei.

    Rocit_Credit_Gerd_Sycha

    Auch hier haben wir jedes Mal eine unglaubliche Mischung. Bei uns treten echte Berliner zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus Polen, Serbien, Bulgarien oder Kirgistan genauso wie aus Kanada, Spanien, Chile oder Neuseeland auf.


    Artistik_Credit-Gerd-Sycha_1


    Andy
    : Sogar ich als Engländer darf mitmachen! (lacht)

    300_B_rgermeister_Credit_Thomas_BonnemeierBei der Musikauswahl geht es genauso weiter, die kommt auch von überall her. In der aktuellen Show haben wir unter anderem ein jiddisches und ein ukrainisches Lied neben 80er-Disko-Hits, und verrückterweise funktioniert das auch.


    Trottoir-online:
    Ihr habt mir im Vorfeld erzählt, dass Ihr auch mit einer Französin zusammen gearbeitet habt.

    Andy (Bild) : Ja, mit Anaelle, einer wunderbaren Performerin, Clownin und einfach einem tollen Menschen. Schrecklicherweise ist sie nicht mehr unter uns, was immer noch unfassbar ist und wohl auch immer bleiben wird. Wir vermissen sie sehr. Wenigstens hatten wir das Glück und das große Vergnügen, mit ihr arbeiten zu dürfen, und ihre großartigen Ideen leben in unserer aktuellen Show weiter.

     

     


    Trottoir-online:
    Das heißt, wenn der Cast zum Proben zusammenkommt, steht die Story der Show noch nicht fest?

    YannYann (Bild): Das ist richtig. Wir starten zwar immer mit einer mehr oder weniger klaren Idee, aber die Shows entstehen erst so richtig, wenn alle an Bord sind. Das ist das Einzige, was wir von allen Beteiligten erwarten: Dass sie sich voll einbringen und genauso wie wir all ihre Leidenschaft für Zirkus, Varieté und Comedy in die Shows stecken. 

    Andy: Weil es komplett unsere eigenen Kreationen sind, kann uns auch keiner reinreden. Das ist zwar viel mehr Arbeit, die an uns hängenbleibt, aber dafür haben wir immer ein Ergebnis, hinter dem wir zu 100% stehen. 


    Trottoir-online:
    Gibt es auch so etwas wie ein Botschaft, eine Aussage bei Euch? Oder macht Ihr reine Unterhaltung?

    Yann: Also der Spaß steht eindeutig im Vordergrund, keine Frage! Außerdem spielen die Shows immer irgendwie in einer anderen, früheren Zeit. Die ist zwar genauso wenig definiert wie der Ort der Handlung, aber es ist nie das reale Heute. Da könnten wir nicht Eins-zu-eins heutige Probleme behandeln, das würde nicht funktionieren. Aber natürlich entstehen die Shows im Hier und Jetzt, und wir blenden die Wirklichkeit nicht aus.

    Ein Beispiel, was das vielleicht ganz gut verdeutlicht: In unserer aktuellen Show existiert das Patriarchat ohne Wenn und Aber, das wird auch innerhalb der Geschichte nicht in Frage gestellt. Gleichzeitig bekommt es indirekt ziemlich sein Fett weg. Das ist so wie in der commedia dell'arte. Die dämlichen Typen entlarven sich am besten selbst. Das ist meistens auch viel witziger als eine Verurteilung durch Dritte.


    Trottoir-online:
    Zum Abschluss noch ein Blick in Eure Zukunft: Welche Pläne habt Ihr für 2026 und darüber hinaus?

    Andy: Die „Taverna Stories“, mit denen wir aktuell unterwegs sind, spielen wir noch bis zur Saison 2026/27. Ab 2027/28 greifen wir die „Wedding Show“ (Bild) wieder auf. Das ist die Show, die wir gerade angefangen hatten aufzuführen, als Corona uns allen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und die wir deswegen viel zu wenig gespielt haben. Danach fingen wir mit einer ganz kleinen, 20minütigen Straßenshow wieder an, woraus sich dann Stück für Stück die „Taverna Stories“ entwickelten.

    Wedding_Show_Kabaret_Kalash

    Jetzt fühlt es sich genau richtig an, die „Wedding Show“ (Bild)  wieder auf die Bühne zu bringen. Mal sehen, vielleicht sind wir dann wieder mit unserer dreiköpfigen Band unterwegs. Auf jeden Fall darf sich das Publikum auf ein Wiedersehen mit dem Kommissar (zeigt auf Yann) und dem Bürgermeister (zeigt auf sich) freuen!


    Trottoir-online:
    Das werde ich mir nicht entgehen lassen. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute, vor allem viele berauschende Auftritte!

    Video: Kabaret Kalashnikov

    Kabaret Kalashnikov
    Parkin und Manske GbR
    Muskauer Straße 46
    10997 Berlin
    Web: kabaret-kalashnikov.com


    Info und Booking
    Wundercircus – Jan van Aubel

    +49 (0)30 55610178
    +49 (0)160 2648752
    mail@kabaret-kalashnikov.com


    Bildnachweis:
    Bildmarke Foto: Ernesto Lucas

    Bühnenbild Foto: Heidi Freymann
    Rocit Foto: Gerd Sycha
    Artistik Foto: Uwe Heinrich
    Andy (Bürgermeister) Foto: Thomas Bonnemeier
    Artistik- Bogenschuss Sara Twister Foto: 
    Gerd Sycha
    Wedding Show Foto: Kabaret Kalashnikov

    2025-12-30 | Nr. 126 |





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