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    Wilde Songs und warme Hendl

    Im Theaterhaus in Stuttgart gibt es immer wieder Dauerbrenner, die manchmal fünf, zehn Jahre oder noch länger gespielt werden. Mit "I want to hold your Hendl" reiht sich wieder ein Stück in diese Tradition ein. Ein flügel-schlagender Beweis, dass Musical und Flach-Sinn keine unheilvolle Allianz eingehen müssen, ein rasantes fast food musical. Fetzige Musik, bunte Kostüme, gekonnte Choreographien auf der einen Seite, ein biographisch-historischer Hintergrund auf der anderen, der das Leben des ehemaligen Wienerwaldkönigs Jahn wiederspiegelt. Beide Elemente sorgen dafür, dass Kopf und Bauch in gleicher Weise bedient werden. Die Hauptfigur Jahn wurde doppelt besetzt, so kann sein Werdegang vom Kinderheimbewohner zum Wehrmachtsflieger, von der Gründung des Hähnchen-Imperiums und seiner Amigo-Freundschaft mit Franz Josef Strauß bis zum Absturz in seinen unterschiedlichen Facetten gezeigt werden. Den DarstellerInnen sieht man den Spaß am Spiel an. Wer gute schauspielerische Leistung und Unterhaltung erleben will, ist hier besser aufgehoben als in den Musical-Tempeln der Republik. Übrigens: Der Umzug des Theaterhauses auf den Pragsattel scheint endgültig zu klappen. Auch nach der Erhöhung der Umbaukosten stehen die Ampeln auf Grün.

    Der KÄS-Betreiber Senasi Dikmen aus Frankfurt stellte sein neues Programm "Du sollst nicht türken" im Laboratorium vor. Diesmal als Philosoph, der über die Widersprüche von Türken und Griechen oder Deutschen und Ausländern laut nachdenkt. Sokrates und Wittgenstein, der fast vergessene Slatko, Nitzsche und andere Geistesgrößen werden zitiert. Ein in sich geschlossenes Programm, sparsamer, witziger Umgang mit Requisiten, ein Laptop, ein Goldfischglas und eine hölzerne Truhe. Senasi versucht zu beweisen, dass der Ursprung der Philosophie, die Mutter aller Weisheit, aus der Türkei kommt und nicht aus dem benachbarten Griechenland. Mit ver-rückten Gedankengängen und witzigen Wortspielen gelingt ihm das auch. Anspielungen auf unterschiedliche Religionen, Auseinandersetzungen und Kriege geben dem ganzen einen schaurig aktuellen Touch.

    Immer wieder montags kommt die Erinnerung an "Die Bissle-Bös-Show" im Renitenz. Einmal im Monat sammelt Klaus Birk Kabarettisten, Theatersportler und Musiker um sich, um aktuelle Politsatire, Lokales, Improvisationen und schräge Songs zu präsentieren. Ob Theatersport-Olympiade im Abwaschen, ob frisch erfundene Songs auf der Bühne oder zugespitzte satirische Conferencen, die Mischung zündet beim Publikum. Thuns Zaubereien begleitet Kondschak mit einem Französisch, das nur Deutsche verstehen können. Dähn bearbeitet virtuos mit stoischer Miene Schlagzeug und Marimba und sorgt gemeinsam mit Kondschak (Gitarre, Bass, E-Piano) für einen Sound, der weit über die übliche Kleinkunstbegleitung hinausgeht. Immer wieder streut Birk seine aktuellen Satiren ein, von Pisa bis zum Stuttgarter Turmbau zu Babel, von der schiefen Studie zu den kleinen Schrecken des Alltags. Der nächste "Montags Birk" lauert schon ein bisschen bös hinter der nächsten renitenten Ecke.

     

    1. Stuttgarter Chansonfest

    Das Renitenz und das Merlin veranstalteten zum ersten Mal gemeinsam das 1. Stuttgarter Chansonfest unter dem Titel "Schöner lügen!"

    Im Merlin trat Tina Teubner in der Begleitung von Ben Süverkrüpp - ja, das ist der Sohnemann von Dieter - in dieser Festivalreihe auf. Witzige Texte, Dauergags, interessante Stimme, eine perfekte Begleitung am Klavier, und dann noch Witze über Musik- und Kleinkunstkritiker. Darf die dat? Die darf dat! Die Themen: Viel Alltag, Beziehungen, Psychologie, mit Depressionen auf Du und Du, Trennungen und Wohlfühlen. Die Lieder wechseln sich mit kleinen Conferencen an einem Tisch im Hintergrund ab, die mit überraschenden Pointen gespickt sind. Neben der Gitarre greift sie zur singenden Säge, zum Akkordeon, zur Ukulele, zur Geige, zur Mini-Gitarre. Als Rahmen benutzt sie ihre eigene Geburstagsparty, zu der sie das Publikum zu Beginn herzlich einläd. So hat sie sofort einen guten Draht zum Publikum, das sie am Schluss erst nach einigen Zugaben von der Bühne lässt.

    Zum Abschluss des Festivals trat Fifi Brix auf, die seit gut 30 Jahren mit ihren Chansons unterwegs ist. Zum Jubiläum bringt sie auch "Das Ideal" von Tucholsky oder "Küchenmoritat" und "Waldeslust" von Ernst Klotz, Lieder, die auf ihrer ersten LP "Play Brix" zu finden sind, mit der sie damals den Durchbruch hatte. Auch heute noch voller Energie auf der Bühne, freche Bemerkungen zum Thema Männer, der kecke Blick durch ihre übergroße Brille - ihr Markenzeichen -  ins Publikum, das ist Fifi Brix. Grasshofflieder und Kästnerballaden, nicht zu vergessen ein wunderbares Instrumentalstück für den Hausherrn Gerhard Wojda, schließlich hat sie eine Pianistinnenausbildung genossen. Popette Betancor, Tanja, Ries, Romy Haag, Wezel & Band, Telmo Pires, Ines Martinez, eine Woche, die sich gelohnt hat, gut besucht, so dass es im nächsten Jahr sicher eine Fortsetzung geben wird.

    Gut dazu gepasst hätte Maren Kroymann mit "Gebrauchten Lieder", die eine Woche später im Renitenz zu sehen waren. Ihre hohe Bühnenpräsenz fasziniert vom ersten Song an. Sie bringt Lieder, die ihre älteren Brüder in den 50ern und 60ern auf Tonband aufgenommen haben. Von Elvis bis Hank Williams, von "Young Girl" bis "Merci Cherie", mit der spitzen Bemerkung, dass hier hauptsächlich Vierzehn- bis Sechszehnjährige besungen wurden. Dean Martin und Dusty Springfield erscheinen auf der Bühne. Maren nähert sich den Stimmen und Haltungen dieser Stars an, aber immer mit einem Augenzwinkern. Zusätzlich bricht sie die Stimmung mit autobiographischen, satirischen Zwischentexten. Wie in den 80er Jahren beim Stöckelschuh-Programm hat sie wieder einen Volltreffer gelandet.


    Redaktion: Bruno Schollenbruch

    Terminkalender:

    Stuttgart:

    Theaterhaus:

    30.5.-2.6.02: Kleiner Tierschau

    19.-21.7.02:  Catarina Mora Flamenca

    Renitenztheater:

    31.5.-9.6.02 U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern

    Spiegelberg: Kabirinett

    7.-8.6.02: Thomas Weber - MundArt

    21.-22./28.-29.6.02 Weber - Brotzeit

    Dieselstrasse, Esslingen:

    07.06. Lisa Politt - Rache

    18.-20.07: Clownerie, Kabarett, Musik auf dem Burgfest

    u.a mit Urban Priol, Füenf, The Magnets...

    KULTURFENSTER, Heidelberg

    7./8.6. Aquabella - a cappella Frauengruppe aus Berlin.

    14./15.6. Impro-Total im Zwinger 3; Drama Light mit und gegen
                  Hannover 98; 

    21.6. Hämmerle; 

    Vorschau: Herbst 2002 mit Podewitz, Stefan Suhlke u.a.m.

     

     

     

     

    2002-06-15 | Nr. 35 | Weitere Artikel von: Bruno Schollenbruch





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