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    Taubenvergiften und Vogelgrippe: nur Worte?

    Im Bremer KITO makaber, mörderisch, ironisch, süßsauer besang es die Wienerin Monica Arno, in der Burg Uhlenhorst in Oldenburg ebenso makaber und teuflisch gekonnt singend vorgetragen von den Hamburger Bidla-Buhs, – Georg Kreisler ist ja so aktuell. Das Federvieh wird gemordet oder es entsorgt sich von selbst durch einen grippalen Infekt.

    Und der deutsche Fußball? Auch daran kommt keiner vorbei. Warum eigentlich? Reichen nicht die Ereignisse pur? Die Zusammenhänge sind ja so weitgreifend und gleichzeitig überzeugend. Es konnte nicht anders sein – es musste so kommen.

    Aber es geht wirklich auch anders.

    Franziska Vondrlik und Uwe Bergeest haben sich in der Oldenburger Kulturetage das aktuelle französische Chanson unter dem spannenden Titel „L’excessive!“ zur Herzen genommen und es wieder bühnenreif gemacht. Französischen Pop und Chansons von jungen Stars, die seit einigen Jahren nicht nur die französische Musikszene aufmischen: Dominik A, Benjamin Biolay, Carla Bruni, Camille u. a. Anders als die klassischen Chansonniers à la Jacques Brel haben sich die jungen Soundtüftler daran gemacht, dem französischen Chanson ein zeitgemäßes Gewand zu schneidern. Neue Töne in einem bekannten Genre: mal ein Tango, mal eine türkisch angehauchte Klangkomposition ... aber immer sehr französisch und sehr „le pop“. Es geht um das ewige Spiel von Kommen und Gehen. Männer, die ohne Frauen auskommen oder umkommen, die in die Liebe fallen, oder von Türmen, oder gar vom Himmel.
    Skurrile Texte, lyrische Elemente, flotte Sprüche und das ganze unter der Regie von
    Cordelia Wach gekonnt arrangiert und am Klavier und poetisch gespieltem Synthesizer begleitet von Dominik Reinhardt.

    Von seltsamen Sprachkreationen in der Widersprüchlichkeit des Alltags poetisiert Hennes Bender, Deutscher-Comedy-Preisträger 2004 (als bester Newcomer) gleich dreimal: im Wilhelmshavener Pumpwerk, im Bremer KITO und im Neuen Gymnasium in Oldenburg. So verunsichern Wortschöpfungen wie „eingefleischte Vegetarier“ oder „Doppelhaushälften“, wobei auch die komische Auseinandersetzung mit der Heimat in Frage gestellt wird, mit dem Ergebnis „Komm, geh hin!“, wie auch sein Programm heißt.

    Und um „Wortmeisterschaften“ drehten sich dann auch die diesjährigen 11. Oldenburger Kabarett-Tage. Mit von der Partie u. a. waren Wilfried Schmickler, der „Mann mit der lingualen Axt“ und dem Programm „Danke!“; sowie die im besten Sinne pausenlos albernde Martina Brandl. Die exzellente Musikerin outet sich mit ihrem komischen Talent als Bauarbeiter-Groupie, was ausgesprochen Spaß macht; Andreas Giebel philosophiert immer „Der Sonne entgegen!“ über die Anti-Helden, bitter-feines Bayern-Kabarett bis zum Münchner Viktualienmarkt (auch im Capitol, Bremerhaven, und in der Begegnungsstätte Lemwerder); Django Asül, der von „Hardliner“ redet, darf nicht fehlen. Schließlich bemühen sich die USA auf ganz besondere Weise, die Zivilisation in den Nahen Osten zu bringen; Georg Schramm (auch im Bürgerhaus Schortens) seziert gekonnt wie immer den deutschen Volkskörper; schließlich hätte Thomas Bernhard sicher geschossen. Immerhin sind der Spaß und Ernst bei ihm noch ausgewogen und Horst Schroth (ebenfalls in der Aula der Uni Vechta und im Bürgerhaus Schortens) mit „Nur die Größe zählt“ immer auf der Höhe der Zeit: hochaktuelle Kommentare, schnell, bissig und charmant – und immer zum Brüllen urkomisch.

    Was gab es sonst noch in der Region? Paul Panzer gastierte mit seinem „Heimatabend de Luxe“ und komischen Telefongesprächen im Neuen Theater in Emden, Werner Olm hat sich mit dem Programm „Mich hab ich kommen sehen“ auf Mammutbühnen begeben: Stadthalle Bremen und Weser-Ems-Halle, Oldenburg. Martin Buchholz kämpft immer noch, immer aktuell für „Angies Freiheit“, Alter Schützenhof, Bremen, Capitol, Bremerhaven, Güterschuppen, Westerstede.

    In der Hoffnung, dass der Frühling doch noch kommt und danach vielleicht etwas Sommer wird, verbleibe ich mit fröhlichen Grüßen

    Redaktion: Klaus Groh

    Agentur Olivia Reinecke 

    TERMINE

    Bremerhaven

    03.–23.11.06        11. SATIRICA 2006, Capitol

     

    Bremen

    03.06.06              Frank Sauer „Sauereien“, KITO

    16.06.06              Käthe Lachmann „Ten years laughter!, KITO

    18.08.06              Michael Mittermeier, Musical Theater

     

    Oldenburg

    01.06.06              Andre Eberlei „Kabarett“, UNIKUM

    28.06.06              Beate Rademacher „Teufel in Strapsen“, Theatro Lukull

    13.07.06              Newcomer auf der Bühne – Kabarett, UNIKUM

    13.09.06              Dagmar Dreke „Pfui nei, muss das sein!?“, Theatro Lukull

    29.10.06              Johannes Kirchberg „Der Mensch ist gut“, Burg Uhlenhorst

    26.11.06              Gabriele Kentrup „Muss denn Singen Sünde sein“, Burg Uhlenhorst

    AdNr:1089 

     



     

    2006-06-15 | Nr. 51 | Weitere Artikel von: Klaus Groh





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