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    Et hätt schlimmer kumme könne

    Volker Pispers begeisterte die Zuschauer mit feinsinnigen Wortspielen und intelligenten Inhalten seines "Best off"-Programms. Schaue man sich einmal das Wort Gesellschaft an. Isoliert man das "sell", das ist englisch und heißt kaufen, und das ist die Aufgabe unserer heutigen Gesellschaft, dann bleibt als  Ergebnis "geschafft" übrig.  

    Volker Pispers begann mit dem Kabarett als sich die geistig moralische Wende vollzog, im Herbst 1982. Kohl, ein für Kabarettisten schwer zu verfehlendes Ziel, wurde Kanzler. Pispers damalige Hoffnung länger als der "Depp aus der Pfalz" dabeizubleiben, hat sich nunmehr erfüllt. Und daß dies berechtigt ist, bewies er in den knapp drei Stunden.

     

    Die Derricks und Harrys in der Politik

    Dabei streifte er nicht nur die Startbahn West, Möllemann und Westerwelle, die katholische Kirche und das Ozonloch, sondern nahm auch die Medien kritisch unter die Lupe. Als unmotivierter Radiomoderator ließ er uns an der Sendung mit dem Thema "Bauchtanz, die letzten Zuckungen der Frauenbewegung" teilhaben. Im 3-Kotze-SAT diskutierte Tigertal mit sechs Politikern aus einer Partei über das 1. Asylantenfreiluftgehege in Niederbayern. Obwohl die Auswahl aus seinen letzten fünf Bühnenprogrammen keinen roten Faden hatte, schaffte er z.B. mit der Feststellung, daß auch in der Politik jeder Derrick (Schäuble) seinen Harry (Merkel) hat,  geniale Übergänge.   Manche Pointe wurde erst mit Verspätung wahrgenommen, da man bei dem "freundlichen jungen Mann" diesen Scharfsinn zunächst nicht vermutete. Das Publikum, mit dem Pispers gekonnt agierte: "Betrifft es Sie wirklich täglich persönlich, wenn die Wale aussterben? Ja, hier am Rhein?" war hochgradig von seiner Kunst, die ganz auf Requisiten verzichtete, angetan. Man mag zu Recht auf sein neues Programm gespannt sein.

     

    Armin Fischer

    Eine überraschende Premiere des genialen Pianisten Armin Fischer erlebte ich am 13. März im Stollwerck. Unter dem Titel  "Promenade" spazierte der elegant gekleidete Fischer durch die Musikgeschichte und sein Publikum begeleitete ihn begeistert. Er begrüßte auch die fiktiven Radiohörer zu dieser Eurovisionssendung und begann stehend mit einem Werk von Beethoven. Da dies jedoch 23 Minuten gedauert hätte, kürzte er es an den sinnvoll erscheinenden Stellen kurzerhand ab.

     

    Comedy und Flügel

    Armin Fischer verbindet sein erstklassiges Spiel am Flügel mit witzigen Comedy-Ideen. Das Publikum nimmt er mit auf die Fahrradtour der Annette von Droste-Hülshoff durchs Münsterland. Er schafft eigene Werke und Geschichten, indem er die kleinen Strolche mit Dr. Oetker, Mc Donald und Flipper verknüpft. Als gewitzter Erzähler und ausgezeichneter Mime erdenkt er Geschichten aus seinem Leben, wie sie sich garantiert nicht abgespielt haben. Von seinem Vater, einem sehr alten Arzt, leitet er über zu dem sehr bekannten Lied "Im weißen Kittel am Wolfgangsee".  Eine im Uhrenkasten gefundene einzige restliche Note klont er und rekonstruiert mit seinem neuen Computer, der es ihm nicht gerade leicht macht, die Orchesterfassung.

     

    Tauschgeschäfte

    Ein ausgiebiges Kapitel widmet er dem Leben von Clara Schumann und da Armin Fischer ein Sammler und Jäger ist, so ist es nur schlüssig, daß er anbietet in der Pause zwei Droste-Hülshoff-Bilder (20 DM-Schein) gegen ein Clara Schumann Bild (100-DM-Schein) bei ihm einzutauschen.   Natürlich durfte auch an diesem Abend das Potpourri aus Zuschauerwünschen nicht fehlen und so spielte er nahezu gleichzeitig: "Hoch auf dem gelben Wagen", "Rote Lippen soll man küssen", "Wenn der weiße Flieder wieder blüht", "Ja ja so blau, blau, blau blüht der Enzian"  und die "Rapsody in blue".

     

    Tim Fischer

    Am 27. März trat Tim Fischer im ausverkauften Senftöpfchen vor Fans und solchen, die es noch werden, auf. Diesmal in der Rolle der verführerischen Madame und Diseuse mit lockigem, langem, blondem Haar, gekleidet in wunderschöne Kimonos, sang Tim Fischer von Evelyn Rou, der Hur, Alabama und Marie und ihrem Liebsten.

     

    Ironie und Melancholie

    Nicht nur die bereits 1993 von Edith Jeske getextete und Rainer Bielfeldt komponierte "Rinnsteinprinzessin" ließ das Publikum in den höchsten Sphären schweben. Mal schüchtern, mal kokett, mal verführerisch, mal berauschend singt Tim Fischer mit seiner einzigartigen wohlklingenden Stimme neue und bekannte Chansons. Köstlich sind seine Interpretationen von Georg Kreisler, z.B.: "Please shoot your husband" und "Mütterlein, Mütterlein...". Seine Themen sind die Liebe, der Sex, die Einsamkeit, der Schmerz und der Tod. Auffällig ist, daß an diesem Abend doch eher traurige und melancholische Töne überwiegen, aber auch die Ironie hat deutlich ihren Platz.   Bei den Gesprächen in der Pause, merkt man, die Zuschauer sind berührt und neugierig. Tim Fischer ist gerade einmal 25 Jahre alt, seit 8 Jahren feiert er auf den Brettern bedeutender Bühnen Erfolge und singt doch von Themen, die kaum ein anderer 25jähriger überhaupt erfaßt, geschweige denn durchlebt haben wird.

     

    Elvis

    In einer der vier Zugaben, die das begeisterte Publikum einforderte, bekennt er, daß er so bewundert werden möchte wie Elvis in den Köpfen seiner Verehrer. Thomas Dörschel, der viele seiner Lieder komponierte, war eine Idealbesetzung am Flügel.     Auf "Olli`s (klitze)kleiner Bühne" in Köln Ehrenfeld fand die Premiere des ersten abendfüllenden Programms von "Hinz & Kunz" statt.   Hinz (Marcel Wagner) ist der ewig lustige und fröhliche Entertainer, der Stimmung um jeden Preis und in jeder Situation produzieren will. Als hyperaktiver Show-Typ ist er,  perfekt in Smoking mit "weißer Weste" und schwarzer Fliege gedresst, sein Haar korrekt zu einer Igelfrisur geschnitten und natürlich frisch rasiert.   Kunz (Soren Leyers) dagegen erscheint zwar ebenfalls in schwarzem Anzug mit weißem Hemd, aber setzt sich durch sein Zuspätkommen, seinen Dreitagebart und ungekämmtem Wuschelkopf direkt von Hinz ab. Die Rollen sind also gut verteilt, der Zündstoff somit direkt klar. Als Streitwerkzeuge dienen den beiden versierten Musikern neben Worten Geige, Gitarre, Ukulele, aufgrund der Bühnengröße ein Minischlagzeug und ein E-Piano. Die Musikalität der beiden ist groß, sei es nun der Parkplatz-Rap oder eine Free-Jazz-Nummer, ein Kasatschok oder die Pippi-Langstrumpf-Erkennungsmedoldie auf der Geige. Sie karrikieren Büttenreden, Bauchredner und beziehen das Publikum mit ein.   Seit annähernd 10 Jahren sind sie , wenn auch in anderen Zusammenhängen auf diversen Bühnen und im Fernsehn und Funk präsent. Sprang auch der Funke bei dieser Premiere nicht ganz zu mir über, so ist dieses Duo auf jeden Fall entwicklungsfähig. Das zahlreich erschienene Publikum war zufrieden und forderte zwei Zugaben ein.   In der Zwischenzeit gab es aus gleichem guten Hause die Premiere von "Bruders und Ligmann" (Duo Naseweiss), das das Publikum sogar mit Pizza verwöhnte und auch Neues vom "Wallstreet Theatre", das seinen Dienst auf der letzten Kolonie des englischen Empires akribisch vollzieht. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe "Szene Aachen".

    Redaktion: Helga Korthals

     

    Terminvorschau:

    Haus der Springmaus, Bonn:

    1.-5.6.                     Springmaus II "Im Wendekreis der Maus"

    23.-26.6.                 Etienne & Müller "Nachbarn"

    30.6.-10.7.                Springmaus I "Highlights"

    14.-17.7. Die Rheinperlen "Et hätt schlimmer kumme könne"

     

    Bonner Pantheon:

    Pantheon-A-Cappella-Festival

    1.+2.6.                    Maybebop

    4.6. U-Bahnkontrolleure in tiefgefrorenen Frauenkleidern

    5.6. First Eight

    8.-12.6.                   Wise Guys

     

    Pantheon-Special: Eine Schiffsreise mit der "MS-Bonna"

    2.-5.6. je 19 Uhr ab Bastei Köln                "Erfolgreich scheitern" mit Rainer Pause und Martin Stankowski

     

    Senftöpfchen, Köln

    7.6. Robert Griess "Das bleibt!"

    8.6. Doktor Stratmann "Hauptsache, ich werde geholfen"

    9.-13.6.                   Urban Priol "Stimmt so"

    14.+15.6.                Die Räuber "Kölsches Bloot"

    30.6.-11.7.                Coco Camelle "Keiner kennt Coco"

     

    1. Kölner Wohnzimmertheater:

    2.6. Josephine - Die kleine Päpstin

    3.-5.6. Tillmann Courth - Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein

    16.-19.6. GABI WEISS nicht weiter

    9.-12. + 24.-26.6. Wohnzimmertheater - Erfolgsprogramm

     

    Stollwerck:

    11.6. Jutta Wilbertz - "Lieder meines (Ver)lebens"

    12.+13.6. Schwestern der Gnade - "Waldis Rache"

    17.6. Pappenheim Peepshow "Endausscheidung"

    25.+26.6. Saisonabschluß - Kabarettspecial präsentiert von Thilo Seibel & Lüder Wohlenberg

     

    1999-06-15 | Nr. 23 |





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