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    Schöner lügen, aber schnell!

    Im neuen Theaterhaus eröffnete  Funny van Dannen das 3. Stuttgarter Chanson-Festival

    „schöner lügen“. Knapp 1000 Zuschauer, ein Tisch, ein Notenständer, eine Gitarre.

    Seine Themen reichen von Politsongs wie „Kapitalismus lieben“ über Absurdes – "Hochhaus mit langen Haaren" - bis zu Beziehungen „Tangakönig, Tangaqueen“. Gelungene, eingängige Refrains, die man gleich mitsingen kann und die jedes Strophenende zu einer Überraschung werden lassen, sind eine seiner Stärken. Sein Gitarrespiel ist eher einfach, die Stimme angenehm, deutlich und prägnant in der Artikulation. Der Zauber steckt in den Texten, jede  Alltagsgeschichte wird zu einem kleinen Kunstwerk. Ein kleines Mädchen schenkt ihm eine Zeichnung mit einem Pferd, Funny revanchiert sich mit dem passenden Song und weiter geht`s mit Plastikbällen, dem depressiven Bundesadler, „Gutes Tun“ und „Eisprung“. Zwei Stunden am Stück, zwischen durch ein Schluck Wasser oder der Griff zur Mundharmonika. Er wischt sich die Schweißperlen mit einem Kuschelpandabären ab, gibt noch fünf Zugaben, bevor er die Gitarre ausstöpselt und unter prasselnden Applaus mit flotten Schritten die Bühne verlässt.

    Sein erstes Solo spielt Günter Brombacher in „Klamms Krieg“. Ein Lehrer in seinem letzten Kampf gegen seine Klasse. Der Protagonist in einem gekonnt darbebotenen emotionalen Wechselbad. Mal droht er der Klasse, mal bewundert er ihren Starrsinn, mal bettelt er um Verständnis, verletzt sich, spielt Ängste aus, greift zur Flasche, verteilt unsinnig gute Noten, die Klasse reagiert nicht, protestiert, indem sie ihn ignoriert. Das Kollegium lässt ihn fallen, Brombacher stürzt, säuft, lallt und spuckt, dann wird er bedrohlich ruhig. Der letzte Schritt deutet sich an, die Pistole des Direktors. Er geht in Richtung Ausgang, die Tür fällt ins Schloss, man hört einen Schuss. Wer Brombachers Weg von „Was heißt hier Liebe“ bis „Dirty Dishes“ mitbekommen hat, erlebt wieder mal eine schauspielerische Glanzleitung.

    Neben Greco und Marie Boine trat auf dem Diva-Festival die Griechin Eleftheria Arvanitaki auf, deren Landsleute die meisten Lieder auswendig mitsingen konnten. Ein Zeichen für ihre Beliebheit, nicht nur in ihrer Heimat. Das  neue Theaterhaus macht´s möglich und ist von den Stuttgartern sehr gut angenommen worden.

    Im kleineren Rahmen hat sich mit einer neuen, liebenswürdigen Mannschaft die Rosenau zu einem Kleinkunst-Treffpunkt im Westen entwickelt. Gottfried Breitfuß und Mitglieder von Tango Five haben hier mit „Mama“ einen Markenliederabend entwickelt. Vier Muttersöhnchen widmen ihren Mamas Loblieder von Heintje zu “Mamy Blue“, vom Marienlied bis zur Ballade. Gekonnt spielt Breitfuß die Entwicklung vom Baby zum Jungen,

    vom Liebhaber zum Vater.Von Schmalz bis Rock, von „Gute Nacht Mutter“ aus den Wehrmachtssendungen zur Herbert-Parody „Mütter nehmen in den Arm“. Ein Abend zum rundum Wohlfühlen in angenehmer Atmosphäre.

    Im Renitenz trat wieder einmal das Duo Maul- & Clownseuche auf. „Ich bring`mich jung!“, so der Titel des laufenden Programms. Als Lukas sich gerade aufhängen will, wird er von Lola, die verfolgt wird und ausgerechnet in seine Wohnung flüchtet, gerettet. Er steht auf jüngere Frauen, sie auf ältere Männern. Präzision in Spiel und Dialog; bei Klaus Bäuerle blitzt manchmal Woody Allen durch, Martina Göhring glänzt mit ihren Gesangskünsten und ihrer Wandlungsfähigkeit.

    Eine geballte Ladung Witz und Komik, wenn sich beide auf den Schlachtfeldern Partnersuche, Schönheitschirugie oder Jugendwahn tummeln. Mal psychologisch, mal ruhig, mal turbulent, so nähert sich das Paar fast dem „Ich will in deinen Händen happy-enden“.

    Ausgefallen und gut das Gastspiel von Hudson Shad mit „Cowboys at the opera“. Starke Stimmen, Humor, Augenzwinkern, wenn die ebenbürtigen Erben der Comedian Harmonist berühmte Westernsongs a capella zum besten geben. Von „Wandring Star“ bis zum deutschen Schlager beherrschen sie ihr Metier, vom ersten Lied an wohlverdienter Applaus bis zum Finale. Robert Kreis, Christoph Sonntag und Wommy Wonder spielten hier ihre bekannten Programme, beim Festival „schöner lügen“ standen Sandra Kreisler, Romy Haag, Coco Camelle, Bodo Wartke, Annette Postel und andere auf der Bühne, im April wird hier wieder der Stuttgarter Besen, ein beliebter Nachwuchspreis, vergeben, außerdem hat das neue Hausprogramm Premiere.

    Musikalisch kleinkunstmäßig geht es auch im Staatstheater Stuttgart zu, die im Hi „About Lennon“ präsentierten. Ankovic, Lichtenberger und Petzold starten den Abend mit einem außergewöhnlichen Beatles Potpourri. Es folgen gesprochene Songs, oft szenisch aufbereitet, immer mit einem Schuss Ironie. Das alles wird mit Texten aus „In his own Write“ und Erinnerungen an die Beatles und John & Yoko collagiert. Mal absurd, fast dadaistisch, dann bitter realistisch, wenn es um Lennons letzten Tag geht. Die fünfzig Zuschauer, die in die ständig ausverkaufte ehemalige Rotlichtbar hineinpassen, gehen bei den drei Johns begeistert mit.

    Hier hätte sich früher auch Reinhard Seufert wohlgefühlt. Er hat in Stuttgart ein privates Revue-Archiv. Ein freundlicher alter Herr, der bereitwillig Auskunft über sein künslerisches Leben gibt. Seufert hat viele Stars in Deutschland und Paris fotographiert, Revue-Plakate entworfen und als Journalist gearbeitet.

    Er steht im Guiness-Buch der Rekorde, weil er die größte und schönste Sammlung an Revueschuhen sein eigen nennt. Dazu passend kleine Kunstwerke wie die ebenfalls selbst angefertigten Schönheitstanzkostüme. Alles wird aber noch übertroffen durch eine große Sammlung von filigranen Revuekronen, die Seufert für die Stars in Paris machte. Bei Beckmann war er bereits zu Gast und konnte dort auch mit einem Modell seine Schätze vorführen. Andere Fernsehsendungen folgten. Ausstellungen im Kunstverein, bei Banken und anderen Gelegenheiten tragen dazu bei, dass diese Erinnerungen an große Revuezeiten, geprägt von Kunst und Erotik, nicht verloren gehen.

    Jörg Beirer wurde in Stuttgart für sein Gemisch aus Kleinkunst und schwäbischen Liedern mit dem Georg Armbruster-Preis ausgezeichnet. Viele bekannte schwäbische Künstler wie Keuler oder  der kürzlich verstorbene Wolle Kriwanek waren seine Vorgänger. 

    Im Merlin spielte im Rahmen des Neujahrsempfanges von Peter Grohmann der Kabarettist Mike Jörg einen Jahresrückblick. Nachdem er getestet hat, ob das Stuttgarter Publikum für einen aus dem Oberland überhaupt kabarettkompatibel ist, setzt er zum großen Rundschlag an: Von Florida Rolf zu den  Superstars und Pisa, von Schröder bis Bush. An einer Mülltonne hat er rund hundert Zettel befestigt, die er abreißt, zitiert und gleich in der Tonne entsorgt. Das letzte Jahr fliegt im Düseschritt an den Zuschauern vorbei, Jörg stellt verrückte Assoziationen und Verbindungen her. Fazit: Glauben wir die Lügen, die uns aus den Medien entgegenschwappen, oder glauben wir, dass Politiker lügen. Das Vertrauen in unsere Politker ist riesig, genau 3% der Bevölkerung denken immer noch, dass sie die Wahrheit sagen. Der Kabarettist spielt diese Programmidee jedes Jahr im Januar.

    Das Merlin  ist die Wiege vom Festival „Schöner lügen“. An dieser Spielstätte konnten Erdmöbel, Tom Liwa, Irmgard Knef, Pigor & Eichhorn und Tina Teubner gewonnen werden.

    Bernd Lafrenz 

    Terminkalender: 2004

    Stuttgart:Theaterhaus:

    3.-7.4.04            Geschwister Pfister

    24.4.04                       Jan Garbarek

     

    ESSLINGEN: Galgenstricke

    2.-3.4.04             Buschtrommel

    16.-17.4.04            Volkmar Staub - Heimatfront

    21.4.-8.5.04            Galgenstricke – P(l)ayback

    14.5.04                       Grohmann/Schollenbruch – Stupid White Men

    13.&15.5.04            Stefan Bauer


    PFORZHEIM: Osterfeld:

    17.4.04                       Christoph Sonntag

    23.4.04                       Die Nacht der lustigen Weiber

    30.4.04                       Müncherner Lach-&Schießgesellschaft

    12.6.04                       Bülent Ceylan

    AdNr:1012

    2004-03-15 | Nr. 42 |





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