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    Szene Hamburg: Wer ist faulöhr?

    Er ist extrem tranig und hat ebensolche Haare, trägt schlurfend eine alte orangefarbene Trainingsjacke und ein Puschelmikrophon. Zuschauer der NDR-Satiresendung "extra 3" und des ARD-Magazins "Panorama" kennen ihn: Alfons, jenen französischen Fernsehreporter, der mit seiner sehr speziellen Fragetechnik unter den Bürgern auf Hamburgs Straßen ("Wer ist faulöhr - ein Arbeitlosöhr oder ein Ausländöhr?", "Was wären Sie lieböhr - schwul oder ein Politiköhr?") den Unsinn des Umfragewesens ebenso entlarvt wie den Stumpfsinn des Volksempfindens. Das wirkt herrlich naiv und ist doch gruselig hintergründig. Alfons alias Emmanuel Peterfalvi wurde neuer Liebling der gehobenen Comedy-Szene des Nordens. Im Jahr 2000 hat der unter anderem Küppersbusch-erfahrene Fernsehproduzent und Familienvater (37) seine Figur für die Kultsendung "extra 3" entwickelt. Nicht allein die deutsche, sondern die menschliche Volksseele wolle er authentisch über den Bildschirm bringen, sein bemitleidenswert trotteliger Habitus sei dabei "der Trick, um die Leute aus der Reserve zu locken", erläuterte der geborene Pariser gegenüber TROTTOIR. Inzwischen hat Peterfalvi sein Wirkungsfeld erweitert: Es gibt ein Bühnenprogramm "Alfons - seine schönsten Umfragen", mit dem er überwiegend im Norden gastiert - in Hamburg im Schmidt-Theater und in Alma Hoppes Lustspielhaus. Zur Zeit liegt das Programm allerdings meist auf Eis, denn der Franzose arbeitet an der Weiterentwicklung seiner eigenen "Late-Night-Show: Alfons mit Promi-Gästen" (der erste war Heino). Der NDR hatte im Spätherbst drei Folgen gezeigt, gedreht in einer original Autowerkstatt. Da seine Kunstfigur, in der etliche Eigenschaften ihres Schöpfers stecken sollen, jedoch bei ihren Umfrage-Kurzauftritten am prägnantesten wirkt, ist Perfektionist Peterfalvi noch unzufrieden mit der Form der halbstündigen Show. Man darf gespannt sein: Voraussichtlich ab Sommer oder Herbst 2004 will der NDR wieder senden. 20 aus 85 Bewerbern ausgewählte Nachwuchs-Solisten und -Duos aus der ganzen Republik waren angereist zum 2. Hamburger Comedy Pokal (darf aus rechtlichen Gründen nicht mehr Cup heißen), den der beliebte Comedian Sebastian Schnoy mit zehn Stadtteil-Kulturzentren auf die Beine gestellt hatte. Als einziger Hamburger dabei: Heino Trusheim. Beim Finale im Winterhuder goldbekHaus wurden von einer Fach-Jury mit Pokalen aus Frottee geehrt: Musikkabarettist Jörg Maurer aus München (3. Preis), Polit-Comedian Ludger K. aus Duisburg (2. Preis) sowie Komiker Christian Hölbling aus Österreich als abgründige Spießer-Figur Helfried (1. Preis). Der Abend war ausverkauft, doch sonst kamen etwas weniger Besucher als 2003. Vielleicht fehlten Zugpferde, auf jeden Fall gibt es Überlegungen, den von der Wohnungsbaugesellschaft GWG/SAGA gesponserten Event (Preisgeld: 4000 Euro) konzeptionell zu ändern oder die Zahl der Veranstaltungsorte zu reduzieren. Für einen Publikumspreis wird noch ein Spender gesucht. Und nun zur Abwechslung einmal raus aus der Stadt und hinaus aufs Land: Wo nämlich bald wieder Rinder grasen und Schafe stumm schauend in der flachen holsteinischen Landschaft stehen, am Flüsschen Aue in Wedel vor den Toren der Hansestadt, da liegt die "Batavia", ein Flusskanonenboot aus dem Jahr 1892. Den Boxeraufstand sowie die Weltkriege I und II soll das gemütlich aussehende Schiff in Ostasien überstanden haben, wenn denn Eigner Hannes Grabau kein Seemannsgarn erzählt. Angeblich nicht, obwohl Grabau , Jahrgang 1940, einst Seemann war. Später wirkte er an Hamburger Bühnen wie etwa der Staatsoper hinter den Kulissen. Bereits seit 1972 betreibt der  Überzeugungstäter nun - auch als Autor und Regisseur - mit Ehefrau und Schauspielerin Elke Kaufmann eines der letzten Brettln der Region (neben Hanne Mogners "foolsgarden", wir berichteten): Kabarett, Jazz, Lesungen, Kinder- und Erwachsenentheater sowie Freiluftkino stehen auf dem Programm der "Batavia", die auch eine urige Kneipe samt Schifferklavier und Hans-Albers-Plakat beherbergt. Neben zahlreichen unbekannten Talenten waren schon Größen wie Helga Feddersen, Marius Müller-Westernhagen, Hardy Krüger und Günter Grass an Bord. Seit 1988 - in diesem September zum 15. Mal - veranstaltet Hannes Grabau außerdem im Herbst sein "Kleinkunst- und Theater-Festival" mit vielen Gästen. Etwa 10.000 bis 15.000 Besucher, darunter viel Stammpublikum, kommen pro Jahr - ein bisher nicht nachlassender Zuspruch, der dem Impressario Energie und genug täglich Brot liefert, um seine Idee von Kultur auf dem fördermittelfreien Zweimal-70-Plätze-Schiff auch in Zukunft verwirklichen zu wollen. Nicht leicht und seicht, sondern unterhaltsam, aber mit Anspruch und durchaus linken Tendenzen: So sieht sein Konzept seit jeher aus, und so soll es weitergehen, "solange ich noch laufen und auf den Mast klettern kann," brummt Seebär Grabau.

    Redaktion: Ulrike Cordes

     

    HAMBURGER TERMINE:

    Imperial Theater:

    21.4.: "Catbird Comedy Show" mit Gästen

    19.5.  : Michael Ehnert und Matthias Knop,

    16.6. :  Konrad Stöckel und Moses W.

    Alma Hoppes Lustspielhaus:

    30.3.-02.4.: 2. German Impro-Open

    Theaterschiff Batavia:

    11.4.: Batavia-Show mit Gunther Marks und Gästen

    16. + 17.4.: "Mittsommernachtssexkomödie"

    2004-03-15 | Nr. 42 | Weitere Artikel von: Ulrike Cordes





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