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    Wenn schon daneben, dann neben dir!

     

    Im Renitenztheater spielte wie jedes Jahr Reiner Kröhnert. Dieses Mal war es die Premiere von „Königin der Macht“. Dem fulminanten Anfang im Klaus-Kinski-Stil folgten Politgeschichten um Angela Merkel, die vom verliebten Kinski als Stalker verfolgt wird. Kröhnert ist besser denn je. Die parodierten Typen stammen aus Gegenwart und Vergangenheit, haben immer einen hohen Wiedererkennungswert, passen in dieses Konzept, dass aktuelle Politik mit allgemein Menschlichem verbindet. Da kreuzen Friedmann und Hinze als Merkels Berater auf, Struck, Schröder und Westerwelle kommentieren die politischen Ereignisse. Werner Herzog – von seinem Hauptdarsteller nur als Stiefelknecht tituliert – versucht, zwischen Merkel und Kinski eine Beziehung zu stiften. Hier geht es um Macht und Intrige, um Liebe und Tod. Das ist vom ersten Moment an spannend, das Publikum lacht über die sauber gezeichneten Figuren, z. B. über Schäuble, den Strippenzieher im Hintergrund, der den Staat in ein Orwell-Szenario verwandeln will. Politische Anstöße geben und gleichzeitig sehr gut unterhalten, diesen Anspruch haben nur noch wenige Kabarettisten. Reiner Kröhnert schafft beides mit bewundernswerter Leichtigkeit.

    Faltsch Wagoni präsentierte hier wieder ein Programm für Kenner und Liebhaber intelligenter Wortspiele. Die ausgefallenen Texte werden gesprochen, gesungen, immer wieder ungewöhnlich musikalisch begleitet. Ob singende Säge oder Rhythmus auf dem Lederrock, ob Fußperkussion in einer Kiesschale: der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. „Herz in Fahrt“ heißt das „Best-of-Programm“ zum 25. Bühnenjubiläum. Es geht um erste Begegnungen, Reisen, die kaputte Welt, Betonlandschaften, Liebe, Stau, Rentnerparadiese und Raserei. Die Zuschauer goutierten die besten Auszüge aus „Deutsch ist dada“ oder „Volapüks Rache“. Highlights waren Songs wie „Ingo Flamingo“ oder „Wenn schon daneben, dann neben dir“. Das alles kommt humorvoll und bissig, böse oder schräg über die Rampe. Es gibt wunderschöne, absurde Momente, wenn die beiden z. B. die heilenden Kräfte des Jammerns beschwören. Silvana Prosperi und Thomas Busse sprechen mit ihrer farbenfreudigen Show Augen und Ohren, Verstand und Gefühl an.

    Ein Garant für ein volles Haus ist Malediva. „Ungeschminkt“ heißt das neue Programm, in dem ohne Maske das Älterwerden thematisiert wird. Gekonnte Bissigkeiten einer Zweierbeziehung, unterbrochen von ironischen Songs, die diesmal von einer dreiköpfigen Combo begleitet werden.

    „Spieltrieb“ von Häusermann und Schläper alias zu zweit, ein interessantes Songprogramm, ist hier mehrmals im Jahr zu sehen. Ein weiterer Dauerbrenner ist Frl. Wommy Wonder, die von Juli bis September und in diesem Jahr zusätzlich im Dezember vor Ort gastiert.

    Im Theaterhaus hat sich ein ungewöhnliches Tanztheater etabliert: Gauthier Dance. Schon das erste Programm „Six Pack“ überraschte mit einer Vielfältigkeit, die auch Leute anzieht, die sonst kaum in ein Tanztheater gehen. Humorvoll-tänzerisch stellte sich jedes Mitglied des sechsköpfigen Ensembles in der Eröffnungsnummer vor, und anschließend wurden die Qualen von ständigen Wiederholungen beim Proben mit Ironie und Liebe zum Detail dargestellt. Im Juli gab es bereits die zweite Premiere, „High Five“, jetzt sogar im größten Saal vor 800 Zuschauern. Das Risiko, neben dem internationalen Schauspielensemble auch noch ein Tanztheater zu etablieren, hat sich gelohnt.

    Besonders sehenswert ist auch die Hausproduktion „Die Grönholm-Methode“, die die Endphase eines Auswahlverfahrens um eine attraktive Manager-Position beschreibt. Mit viel Tempo und bissigem Humor kämpft jeder gegen jeden, der Kapitalismus frisst seine Kinder. Hervorragend sind die Rollen mit Schmidt-Oehm, Brombacher, Kraft und Moos besetzt, unter der Regie von Klaus Hemmerle ist ein neuer Dauerbrenner im Theaterhaus entstanden. Bei den Stuttgarter Kabaretttagen glänzten Alfred Dorfer, Hagen Rether und Sigi Zimmerschied. Josef Hader, der Spitzenkabarettist aus Wien, stellt sein neues Programm vor.

    Hier wird auch Christoph Sonntag seine Premiere „Drin was drauf steht“ im Oktober vorstellen. Der kabarettistische Tausendsassa, der vor Kurzem sogar in New York gastierte, setzt sich auch für soziale Belange ein. Sonntag hat sich mit seiner Stiftung darum gekümmert, dass der Max-Eyth-See in Stuttgart mit Frischwasser versorgt wird und einen Sandstrand bekommt.

    Seit August gibt es in Stuttgart Bad Cannstatt ein neues Theaterschiff, das pro Jahr sechs Eigenproduktionen vorstellen will. Den Anfang machte Anfang August die Komödie „Versteh einer die Frauen“.

    Das sozialkulturelle Zentrum Merlin feierte sein 25-jähriges Bestehen. 1983 als kleines Café-Theater von alternativen Sozialarbeitern unter Albrecht Fritz gegründet, gibt es seit 1990 das größere Zentrum in der Stuttgarter Augustenstraße. Das Jubiläum wurde mit einem Trommelzug quer durch den Stuttgarter Westen eröffnet, anschließend gratulierten diverse Künstler und Offizielle bei einem großen Straßenfest. Barbara Bruns und Holger Eichhorn stellen hier seit Jahren gute Musik- und Kleinkunstprogramme vor. Außerdem gibt es immer wieder Festivals für Kabarett, Chanson, Jazz oder für junge Rockmusiker im August, die Klinke 19, in diesem Jahr mit Johanna Zeul, Eric Gautier oder der Grup Liman, die den deutschen Rockpreis 2007 gewonnen haben.

    Die Rosenau veranstaltete eine große Kleinkunst-„Mütternacht“ mit Gästen wie Bodo Wartke in der Freilichtbühne im Killesbergpark. Zum vorläufig letzten Mal fand auf dem Pariser Platz das „Jazz Open“ statt, mit Mike Batt, Till Brönner, Patti Austin, Al Jarreau, Lenny Kravitz, Suzanne Vega, Curtis Stigers, Diana Krall, Chicago und einem Jahrhundertauftritt von Paul Simon.

    Redaktion: Bruno Schollenbruch

     Bernd Lafrenz

    Terminkalender

     

    Stuttgart:

    Theaterhaus:

    16.10.08             Bernd Lafrenz

    17.–18.10.             Josef Hader

    19.10.08             Steffen Möller

    21.10.08             Christoph Sonntag

    23.10.08            Richard Rogler

     

    Laboratorium:

    03.10.08            Reiner Kröhnert

    22.–23.10.            Uli Keuler

    15.11.08            Ingo Börchers

     

    Renitenztheater:

    01.–03.10.            Buschtrommel

    04.–05.10.            Stephan Sulke

    07.–11.10            Ernst und Heinrich

    14.–15.10.            Kay Ray

    17.10.08            Andreas Rebers

    18.–19.10.            kw. Timm

    04.–08.11.            Robert Kreis

    17.–24.11.            Werner Koczwara

     

    Ludwigsburg:

    Scala:

    25.10.08            Backblech

    06.12.08            Hans Werner Olm

    AdNr:1012

     

     

    2008-09-15 | Nr. 60 | Weitere Artikel von: Bruno Schollenbruch





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