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    Crazy City


    So pulsierend und dynamisch mit Überraschungen gepaart war das Programm des Düsseldorfer Apollo Varietés. Pavel Kolybin und Konstantin Zimin zeigten klassische Hand-auf-Hand-Akrobatik mit unglaublichen Würfen. Die russischen Künstler, die beim Moskauer Circusfestival 2007 die Bronze-Medaille gewannen, reizten dabei das menschliche Muskelvermögen bis aufs Letzte aus. Alexey Chaynikov ließ die Hula-Hoop-Reifen kreisen, ganz gleich, ob sie nun 80 cm oder stattliche 2,50 m Durchmesser hatten. Eine Darbietung der besonderen Note. Rob Torres spielte sich als Mann für internationale Fröhlichkeiten in die Herzen der Zuschauer. Seine Comedy wird mit Leichtigkeit von jedermann verstanden. Eine unkonventionelle Jonglage mit einem Gymnastikball bot Tetjana Konobas. Diese erforderte nicht nur ganzen Körper-, sondern auch einen erstaunlichen Bewegungseinsatz. Luftig leicht wurde es mit der Prinzessin Kristina Bautina am Trapez und Vertikalseil. Artistik mit Grazie und Anmut zeigte die Goldmedaillengewinnerin des russischen Circus von 2005. Das Duo You & Me (Igor und Julia) zeigte in seiner Partnerakrobatik das Wechselspiel zwischen Mann und Frau mit Kraft und Unbeschwertheit. Aus der harmonischen Einheit bildete sich immer wieder ein faszinierendes Gesamtkunstwerk. Schrill und verrückt sind die Markenzeichen des Belgiers Barto, wenn er mit Kleiderbügel und anderen Gebrauchsgegenständen für humorvolle Überraschungen sorgt. Ein Clown der besonderen Note. Vorhang auf und Spot an – so hieß es für Andrey und Ekatarina Katkov, die mit ihrer zauberhaften Quickchange-Darbietung die großen Showstars wiederaufleben ließen. Ob Elvis Presley, Liza Minelli o. a. – Hollywood ließ grüßen. Andrey Katkov, der Silbermedaillen-Gewinner des Festival Mondial du Cirque des Deamin 2007 in Paris, entführte in ein Märchen aus 1.001 Nacht mit seinem Kostüm und Requisit. Seine absolut außergewöhnliche Äquilibristik-Darbietung auf dem „Fliegenden Teppich“ brillierte durch perfekte Körperbeherrschung und erstaunliche Biegsamkeit. Das Duo Sorellas (Christophe Gobet & Rodrique Funke) begeisterte durch atemberaubende Figuren und waghalsige Hänge am Trapez. Ein Darbietung voller Kraft, Eleganz und Ästhetik, die ihresgleichen sucht. Zum Grande Finale hieß es dann Abschied nehmen von allen Artisten aus der „Crazy City“.

    Tierisch gut kam das Programm des GOP Varieté Essen an. Helmut Sanftenschneider moderierte und musizierte feinsinnig und intelligent und lieferte den roten Faden im Programm. Frank Rossi ließ reden, nämlich seine komischen Vögel und Tiere. Der Ventriloquist fesselte die Zuschauer mit den Stimmen seiner kunstvoll und schnell hergestellten Partner. Der erst 18-jährige Jongleur David Confal rotierte mit scheinbarer Leichtigkeit seine Diabolos vertikal und horizontal. Teuflisch schnell und gut setzte er bis zu vier davon in Bewegung. Alexander Veligosha, seines Zeichens Handstand-Äquilibrist, balancierte mystisch und kraftvoll scheinbar schwerelos auf den Stangen. Sein Körper verzauberte mit außergewöhnlichen Figurationen. Das Duo Blind Date verband auf geniale Art und Weise Artistik mit Comedy. Die Herren-Dompteuse ließ den Mann strammstehen, auch wenn es sich dabei um einen wackligen Rola-Rola-Turm handelte. Lena Gutschank entführte in eine Traumwelt, in der ein Mädchen vom Mond fasziniert wird. Grazil und virtuos zugleich ihre Bodenakrobatik-Darbietung und ebenso im Luftring. Alla Klyshta brachte Schwung und Elan auf die Bühne mit ihrer Hula-Hoop-Darbietung. Wie einen mitreißenden Tornado ließ sie ihre Reifen um sich kreisen, voller Energie und Temperament. Die Zebras mit ihren eigenwilligen Kostümen sind zweifelsohne eine der besten Akrobatengruppe aus Moskau. Menschliche Pyramiden und spektakuläre Sprünge versetzten die Zuschauer ins Staunen. Im großen Finale wurde dann noch einmal allen Artisten ein Dankeschön gezollt.

    Walli-Fix und die Gallier schlugen ihre Zelte im Varieté et cetera in Bochum auf. Putzfrau Waltraud Ehlert (Esther Münch) katapultierte sich und die Artisten in die Zeit der Römer und Gallier. Los Gauchos ließen in ihrer Bola-Show die Trommeln erklingen und legten eine heiße Sohle aufs Parkett. An den römischen Ringen zeigte Elisa ihre kraftvollen Einlagen mit geballter Frauenpower. Dynamisch und körperbetont ging es bei der Partnerakrobatik des Duos Synergy zu. Zauberer Jorgos Katsaros betrachtete alle durch seine magische Lupe und ließ die Dinge schrumpfen oder größer werden. Hoch hinaus ging es mit dem Duo E-Motion am Vertikaltuch, das als Liebespaar mit Kraft und Eleganz turtelte. Caroline Hammer schwang die Reifen mit Tempo und Esprit um ihren Körper, sodass ganzen Römerlegionen schon vom Zuschauen schwindelig wurde. Im Finale hieß es dann: schön war’s in Gallien.

    Zum Schluss ein Wort in eigener Sache: Zum letzten Mal erscheint die Fachzeitschrift Trottoir und damit auch zum letzten Mal die Rubrik Varieté. Seit ich diese Rubrik 1997 vorgeschlagen habe, hat es mich sehr gefreut, über diese Kunstform und ihre Protagonisten berichten zu dürfen. Ich bin bei den Einladungen zu Premieren vielen Künstlerkollegen und Artisten in ganz Europa begegnet und habe oftmals über sie und ihre Programme berichtet. Allen gilt mein Dank für ihre Unterstützung und Bereitschaft, mir aus ihrem Leben etwas Interessantes erzählt zu haben. Es war und ist immer wieder eine Bereicherung, Menschen zu treffen, die anderen durch ihr Können und ihre Kunst Freude bereiten. In diesem Sinne darf ich unseren Künstlern alles Gute wünschen und den Machern des Trottoir viel Freude beim Aufbruch zu neuen Ufern.

    Redaktion: Hartmut Höltgen-Calvero

    2010-06-15 | Nr. 67 | Weitere Artikel von: Hartmut Höltgen-Calvero





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